Jørgen K.

als Autor auf
Himmelsbeobachtung.net

Verweise:

Sonnenfinsternis im Perseiden-Maximum
– Himmelsereignisse im August 2026

In den Abendstunden des 12. August gab es über Teilen Europas eine totale Sonnenfinsternis zu bestaunen, welche vielerorts in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Sonnenuntergang stattfand. Während die Sonne über großen Teilen Nord-Spaniens komplett verfinstert wurde, war hierzulande eine Verfinsterung von ca. 85-90% zu beobachten – je nach Standort. Nach Untergang der teilverfinsterten Sonne gab es dann das Maximum der Perseiden zu beobachten, womit die Abend- und Nachtstunden vom 12. auf den 13. August 2026 vielleicht sogar DIE astronomische Nacht des Jahres 2026 darstellen könnte: Eine Sonnenfinsternis, gefolgt vom Höhepunkt eines Meteorstroms – in einer klaren, mondlosen Sommernacht. Ich persönlich hatte zuvor noch nie eine Sonnenfinsternis mit einem solch massiven Bedeckungsgrad beobachtet und war gespannt, wie Himmel und Natur auf mich wirken würden.

Grafik: European Space Agency (ESA), Total solar eclipse 12 August 2026 – Global map, CC BY-SA 3.0 IGO.
Originalquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Total_solar_eclipse_12_August_2026_%E2%80%93_Global_map_ESA521382.png
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/igo/

Die partielle Sonnenfinsternis
unter Eindruck der irdischen Natur

Reizvoll schien für mich bereits im Voraus die Beobachtung der stark verfinsterten Sonne am Rande eines Naturschutzgebietes im südwestlichen Niedersachsen, wo der Bedeckungsgrad durch den Mond bei etwa 86% lag. Dort kam ich reichlich pünktlich und rund 1,5 Stunden vor Beginn der Sonnenfinsternis an, um einen guten Stellplatz zu finden: Die extreme Dürre erforderte dabei eine gewisse Vorsicht, um keine Katastrophe auszulösen. Es sollte an diesem Abend nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Vorsichtsmaßnahmen im Blick auf die extreme Trockenheit treffen musste.

An Ort und Stelle hatte ich also einen guten Platz für mich und meinen Campervan auf einem sicheren Untergrund gefunden und stellte mich erstmal auf Landschaft und Umgebung ein: Umhergehen, Beobachten, Dasitzen und Durchatmen. Es war noch Zeit. In Anbetracht der letzten abziehenden Zirruswolken konnte ich mich entspannt auf die Himmelsereignisse der kommenden Stunden freuen. Woran ich dabei als Nachtmensch beim Ausflug in die Tag-Astronomie nicht gedacht hatte: Sonnencreme. 😉

Improvisation in dürrer Landschaft

Beim Aufbau und Aufsetzen der passenden Sonnenfilter fiel mir dann die extreme Reflexion der Sonne auf, die im hellen Tageslicht gut sichtbar gespiegelt wurde – was mir sofort Bedenken bereitete. Die Bündelung der Reflexion war zwar nicht extrem zentriert, beim Davorhalten der Hand war jedoch eine deutliche Erwärmung spürbar. Beim Gedanken daran, diese Reflexion womöglich über eine Stunde beizubehalten, um den Sonnenverlauf mit einer kurzen Brennweite zu dokumentieren, schien mir zu gefährlich: Die Natur war nach diesem Ausnahme-Sommer mit mehreren Hitzewellen derart trocken, dass dieses Risiko absolut nicht vertretbar wäre. Es musste also improvisiert werden: Mit einem überschaubaren Standortwechsel und abgedeckten Filterfolien, sobald eine fotografische Intervall-Aufnahme von Sonne und Mond erstellt war.

Mit dieser Vorgehensweise startete ich meine Beobachtung der Sonnenfinsternis um etwa 19:15 Uhr Ortszeit (MESZ). Die Improvisation stellte sich dabei als absolut geeignet heraus. Folgend eine Aufnahme von Sonne und Mond, kurz nach Beginn der Verfinsterung:

Surreale Lichtverhältnisse, ein Temperaturabfall
und das Erwachen der Natur

Im Verlauf der partiellen Finsternis deutete sich bereits vor der maximalen Bedeckung an meinem Standort eine besondere Lichtstimmung an, gefolgt von fallenden Temperaturen. Diese frühe Wahrnehmbarkeit (kurz vor 20 Uhr MESZ) rechne ich auch dem niedrigen Sonnenstand zu: Je niedriger die Sonne steht, desto spürbarer sollten auch solche Veränderungen bei der Einstrahlung wahrnehmbar sein:

Im Verlauf der Finsternis, die ich selbst mit einer fachhandelsüblichen Finsternis-Brille beobachtete, dokumentierte ich den Verlauf zusätzlich im 5-Minuten-Intervall mit einer 50mm-Optik:

Die Kamera samt Sonnenfilter wurde dazu in fixer Position alle fünf Minuten ausgelöst und am Ende wurde in unveränderter Ausrichtung eine Landschaftsaufnahme ohne Filter ausgelöst. Alle gesammelten Frames wurden im Anschluss übereinandergelegt.

Die großartigste Phase war dann zweifelsohne der Zeitpunkt rund um die maximale Verfinsterung der Sonne, mit rund 86% Bedeckungsgrad: Die Temperatur war merklich gefallen, das gedämpfte Licht in der Landschaft golden-fahl und Vogelschwärme zogen urplötzlich ihre Runde über die Wiesen vor mir. Die absolute Ruhe in der beschriebenen Lichtstimmung, die vergleichsweise kühle Luft an diesem ursprünglich warmen Sommertag und die immer wieder vorbeiziehenden Vogelschwärme lösten Gänsehaut bei mir aus. Mit der Abkühlung lag zudem plötzlich dieser Geruch von feuchtem Sandboden in der Luft, wie er nur allzu oft mit der einsetzenden Dämmerung aufkommt, wenn man sich in der Natur aufhält.

Mit so viel Eindruck und Veränderung hatte ich nicht gerechnet – die Standortwahl inmitten der Natur stellte sich als sehr wertvoll heraus.

Gegenwärtig habe ich die Annahme, dass die fallenden Temperaturen an diesem warmen bis heißen Sommertag die Natur erst so richtig atmen lassen hat. Vielfach wird in Finsternisphasen der Sonne von einem regelrechten “Verstummen” der Natur berichtet, doch hier, bei dieser fortgeschrittenen partiellen Sonnenfinsternis, zum Ende dieses sommerlichen Tages und nach mehreren Hitzewellen in dürrer Landschaft, konnte ich das absolute Gegenteil beobachten.

Um 20:30 Uhr Ortszeit (MESZ) stand die Sonne nur noch wenige Grad hoch, war dabei jedoch partiell weiter deutlich verdunkelt. Bei der Beobachtung mit einer angemessenen Vergrößerung fehlten aufgrund der Horizontnähe bereits die Details, weshalb ich kurz vor Sonnenuntergang ein letztes Bild der Sonnenfinsternis anfertigte:

Kurz darauf hielt die Abenddämmerung Einzug: Es war Zeit für Abendbrot und ein zufriedenes Zurücklehnen. Was für eine tolle Beobachtung!

Das Maximum der Perseiden folgte dem Untergang
einer teilverfinsterten Sonne

Als wäre das alles nicht schon “Erlebnis genug” gewesen, stand nun auch noch die Maximumsnacht der Perseiden an. Gedanklich musste ich mich erst einmal noch ordnen. Bis zum Einbruch der Nacht war auch noch Zeit, so dass ich mich an verschiedenen Einstellungen von Kamera und Zubehör versuchte. Dabei fiel mir auf, dass die kürzlich erworbene Stromversorgung für das Kamera-Setup gar nicht so funktionierte, wie ich mir das ausgedacht hatte. Die Konsequenz: Ich hatte nur noch rund 60% Akkuleistung, die nun sinnvoll eingesetzt werden mussten.

So kam es, dass ich die erste Stunde nach Einbruch der Nacht für die rein visuelle Beobachtung nutzte. Eine Eule zog derweil ihre Runden um mich und mein kleines Beobachter-Camp, was den Blick zum Sternenhimmel nicht weniger stimmungsvoll machte.

Zum Zeitpunkt der lokalen Mitternacht und nach mehreren Rechenexempeln zur Effektivität der Restkapazität des Akkus, baute ich schließlich das Kamera-Setup samt Objektivheizung und 24mm-Optik auf, um dieses daraufhin an einem meiner Lieblingsorte in Stellung zu bringen. Ab hier lehnte ich mich erneut zurück und ließ die Kamera arbeiten, während viele helle Perseiden ihre leuchtend-grünen Spuren am Himmel hinterließen. Das Feuerwerk eines solchen hochfrequentierten Meteorstroms in mondlosen Nächten ist wohl das Schönste, was unser Nachthimmel zu bieten hat.

Im Zeitraum 23:45 Uhr bis 01:39 Uhr (MESZ) konnte ich dabei einige Perseiden fotografisch abbilden, wobei die meisten Meteore den Erfassungsbereich der 24mm-Optik vermieden haben. Das folgende Summenbild zeigt auch eindrucksvoll die hiesige Sommermilchstraße – es ist eindeutig eines meiner Lieblingsbilder der vergangenen Jahre:

Mit dem schließlich gänzlich schwächelnden Akku war auch meine Batterie nach einem langen Werktag so langsam aufgebraucht, womit ich meine Beobachtung um etwa 2:30 Uhr (MESZ) beendete. Rückblickend handelte es sich um Stunden voller eindrucksvoller Himmelsereignisse, die mich auch in den Tagen danach und auch beim Schreiben dieses Berichts mit viel Dankbarkeit zurückblicken lassen.