Jørgen K.

als Autor auf
Himmelsbeobachtung.net

Verweise:

C/2023 P1 (Nishimura) – Ein neuer Kandidat in Sachen Kometenbeobachtung auf der Nordhalbkugel. Diese Information habe ich irgendwann zum Zeitpunkt des Perseiden-Maximums aufgegriffen und nicht weiter behandelt. „Nishimura“ war jedoch direkt hängen geblieben, ist es – wie üblich – der Name des Beobachters oder des entsprechenden Instruments. Das Besondere: Der Japaner Hideo Nishimura hat den Kometen am 12. August 2023 mit einer Canon 6D und einer regulären 200mm-Optik entdeckt, was vergleichweise kleines (für mich gewohntes) Equipment darstellt und auf großartige Weise unterstreicht, was man als Amateurastronom mit vergleichsweise kleinem Equipment erreichen kann. (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!)

Pünktlich zum September-Beginn etablierte sich über Mitteleuropa stabiles Hochdruckwetter. Eine Omega-Wetterlage brachte hochsommerliches September-Wetter und klare Nächte, in denen sich selbst der frühherbstliche Nebel noch zurückhalten musste. Optimale Bedingungen für die Kometenbeobachtung.

6. September 2023 – Ein Erstkontakt mit dem Kometen

In den Morgenstunden des 6. September 2023 startete ich einen ersten Versuch mit der Beobachtung des Kometen. Positioniert auf der Südseite vom Wiehengebirge, hatte ich das große Glück, trotz kühler September-Nächte von keiner Nebelbildung behindert zu werden. Unter Eindruck von einer recht starken Luftunruhe, dem hochstehenden Mond (ca. 60% Beleuchtungsgrad) und einem Vorgeschmack des unverkennbaren Wintersternhimmels im südöstlicher Richtung, musste ich erst einmal des Zielobjekt ausfindig machen. Wir hatten ca. kurz nach 4 Uhr morgens, der Komet sollte noch recht tief stehen und dabei keine 3° Höhe erreicht haben. Vom Stern „Prokyon“ ging es zum offenen Sternhaufen „Messier 44“ im Sternbild Krebs, rund 10° westlich von diesen Objekten wurde ich schließlich fündig. Knapp über dem Wiehengebirgszug war Komet Nishimura fotografisch nachzuweisen.
Das Zeitfenster, in dem der Komet in den folgenden rund 10 Tagen zu beobachten sein würde, gestaltete sich grundsätzlich sehr klein. Das allmorgendliche Spiel lautete: Der gerade so dem Horizont entflohene Komet musste sich wenig später in der Morgendämmerung geschlagen geben.

Wenig später, gegen 5 Uhr morgens (MESZ), begeisterte mich schließlich die Erscheinung des kosmischen Besuchers: Ein doch recht ausgeprägter Schweif, ab ein wenig Horizonthöhe auch mit Struktur. Die weitere Entwicklung – gem. Prognosen durchaus vielversprechend – blieb abzuwarten, Spannung lag aber definitiv in der Luft. Mit dem in der Dämmerung schwindenden Kometen, begrüßte die Venus die Landschaft mit ihrem goldenen Schein. Der Abendstern aus dem ersten Halbjahr 2023, ist still und leise zum Morgenstern geworden.

8. September 2023 – Ein Schweifstern zur Morgendämmerung, verfolgt vom Mondschein

Das mitunter Schönste bei der Natur- bzw. Himmelsbeobachtung können Erkenntnisse sein. Ob man jemals auslernen kann, das ist zumindest für mich fraglich, lässt man sich doch oft von Details überwältigen. (Dazu gleich mehr.)

In den frühen Morgenstunden des 8. September klingelte mein Wecker um halb 4, direkt am Beobachtungspunkt. Schon am Abend hatte ich mein Dachzelt in östliche Richtung ausgerichtet und blickte somit beim Aufwachen direkt gen Horizont, an dem der Komet zu sehen sein sollte. Wir hatten ca. 4:30 Uhr (MESZ): Visuell war erst einmal kein Komet auszumachen. Widerwillig ging es aus dem warmen Dachzelt, um die Nachführung am Boden aufzubauen. „…Kein Nebel hier am Moor, großartig“ .. dachte ich mir. Absolut ungewohnt in derartigen September-Nächten, die beschriebene Hochdruckwetterlage sorgte weiterhin für gute Beobachtungsbedingungen.

Beim Aufbau der Kamera mit 135mm-Optik stellte ich nebenbei fest, dass der Himmel visuell heller war, als noch vor zwei Nächten. Wie konnte das sein, während der Mond weitere rund 20% Leuchtkraft verloren hatte? Eine erste Vermutung, wenig später die Erkenntnis: Der Mond nähert sich mit jedem folgenden Morgen, zur relevanten Beobachtungszeit, weiter dem Osthorizont an. Somit auch an den Kometen, was die beobachteten Himmelsbereiche heller scheinen ließ. Ein Komet, nicht nur verfolgt von der Dämmerung, sondern auch noch vom Mondschein. Mit der weiteren Annäherung an die Sonne, ging Komet Nishimura zudem heute erneut später auf, als eine Nacht zuvor. Für tolle fotografische Eindrücke hat dieser September-Morgen allerdings noch einmal ausgereicht:

Da ich den Kometen immer noch nicht mit dem bloßen Auge ausmachen konnte, musste ich zum Feldstecher greifen: Im 10×70 war Nishimura zweifelsfrei zu erkennen, mit grünlicher Kometenkoma und klar erkennbarem Staubschweif. Ein tolles Fernglasobjekt, das unter Eindruck von Mond, Horizontnähe und einsetzender astronomischer Dämmerung definitiv kein Objekt für Zufallsbeobachter darstellte.

Um ca. 04:56 MESZ fiel ein Meteor vom Himmel (linke Aufnahme), direkt neben dem Kometen. Ein Glückstreffer bei 135mm! Sehr wahrscheinlich war es ein September-Perseid (SPE), die Bahn des Meteors passt zum Radianten im Perseus.

Mit dem Einsetzen des Nautischen Dämmerung habe ich meine Beobachtung beendet.

Keine weitere Beobachtungsmöglichkeit in den folgenden Nächten

In den folgenden Nächten (10.09./11.09. und 11.09./12.09.2023) ergab sich für mich, aufgrund fehlender bzw. sehr schlechter Horizontdurchsicht in den jeweiligen Morgenstunden, keine weitere Beobachtungsmöglichkeit. Der zusehends später aufgehende Komet ging am 12.09.2023 bereits bzw. erst zum Zeitpunkt der einsetzenden fortgeschrittenen Morgendämmerung auf, was die zumindest „erfolgreichen Beobachter“ vor erschwerte Bedingungen stellte. Auf Bildern war es nur noch sehr schwer, den mittlerweile ausgeprägten Schweif von Nishimura zu erkennen oder herauszuarbeiten. (So mein Eindruck beim Blick auf die Bilder anderer Beobachter.)

Nishimura sollte am 17.09.2023 seine größte Annäherung an die Sonne haben, wobei der Komet nach Prognosen mit einer scheinbaren Helligkeit von ca. +2 Magnituden sichtbar sein sollte. Ob wir nach dem 17. September 2023 einen untergehenden Schweif in der astronomischen Abenddämmerung beobachten können, bleibt abzuwarten, wohlgleich auch eine fantastische Vorstellung.

© Karl Kaiser – 11.09.2023, 05:21 MESZ

Zum selben Zeitpunkt hat Karl Kaiser aus Schlägl (Österreich) unter deutlich besseren Bedingungen versucht, den Kometen noch einmal zu beobachten. Seine Erfolgsmeldung darf ich an dieser Stelle zeigen. (Vielen Dank für die freundliche Genehmigung der Zurschaustellung!) Karl beschreibt seinen Erfolg wie folgt: „[…] gestern habe ich noch einmal nach Nishimura Ausschau gehalten – es war wohl für Mitteleuropa seine Abschiedsvorstellung. Nur mit Mühe konnte er sich gegen die Morgendämmerung durchsetzen, vom Schweif ist auf den Bildern kaum noch etwas zu erkennen. Die Aufnahme setzt sich aus 6 Bildern zusammen: ab 05:21 MESZ, 100mm, 5 s je Aufnahme, Bl.6,3, ISO 3200.Höhe des Kometen überm Horizont: 4⁰. Erstmals am Foto habe ich ihn um 05:06 MESZ und 1,9⁰ Höhe erwischt.“ – Klasse, Herzlichen Glückwunsch! 🙂

Weitere Eindrücke von Karl seiner astronomischen Arbeit sind auf seiner Website zu finden: karlkaiser-nature.at

Der Wechsel zur Beobachtung des Kometen in der Abenddämmerung

Zwei abendliche Beobachtungsversuche habe ich schließlich in der Woche nach dem 12. September gestartet, um einen (fotografischen) Anblick von Kometen C/2023 P1 (Nishimura) zu erhaschen. Jedes Mal ohne Erfolg:

© Thorsten Gaulke – 14.09.2023, 20:35 – 20:40 MESZ

Ein nie wolkenfreier Horizont hat es mir nicht leicht gemacht.

Um den Sinn der abendlichen Beobachtungen zu unterstreichen und mich auch gleichzeitig für den Erfolg eines anderen Beobachters zu freuen (und schlussendlich auch diesem Bericht einen runden Abschluss zu verleihen), folgt an dieser Stelle eine abendliche Aufnahme des Kometen C/2023 P1 (Nishimura): Thorsten Gaulke (Standort bei Geseke) konnte am Abend des 14. September eine kleine fünfminütige Aufnahmeserie stacken und den Kometen somit in der Abenddämmerung nachweisen. (Auch an dieser Stelle kann ich Thorsten nur beglückwünschen und mich auch hier für die freundliche Genehmigung der Zurschaustellung bedanken!)

Was bleibt: Der untergehende Schweif in der Abenddämmerung wird eine (übertriebene) Wunschvorstellung vor meinem inneren Auge bleiben. 😉 Zumindest was diesen Kometen angeht.

Komet C/2023 P1 (Nishimura) ermöglichte Abenbeobachtungen seinerseits, diese wurden allerdings auch von Abend zu Abend schwieriger. Viel vom Schweif ist nicht geblieben und schlussendlich ging der Komet bereits am 26. September zeitgleich mit der Sonne unter.

Verweise: