Jørgen K.

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Himmelsbeobachtung.net

Verweise:

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Zusammenstellung punktuell verfasster und über ein Halbjahr gesammelter Berichte zur Abendsichtbarkeit der Venus. Zur Erinnerung: Die Venus betritt regelmäßig die Bühne des Dämmerungshimmels, entweder als Abend- oder als Morgenstern, und ist neben dem Mond das zweithellste Objekt am Nachthimmel. Zum Zeitpunkt der unteren Konjunktion, wenn sie im Laufe der Zeit auf der uns zugewandten Sonnenseite vorbeizieht, wird die Venus vom Abend- zum Morgenstern. Mit Eintritt der oberen Konjunktion verschwindet der Planet für einige Wochen hinter der Sonne und wird wieder zum Abendstern.

Im Laufe des Monats Januar 2023 wurde die Venus zum auffälligen Abendstern. Diese Sammlung an Berichten beginnt mit meiner ersten bewussten Beobachtung zu Februar-Beginn.

7. Februar 2023: Venus und Jupiter isoliert am Abendhimmel

07.02.2023, ca. 18:40 MEZ: Venus und Jupiter (24mm, KB, Cokin P830)

07.02.2023, ca. 18:40 MEZ: Venus und Jupiter mit Wasserspiegelung

Am Abend des 7. Februar habe ich diese wunderschöne Abendstimmung genossen, während am Westhorizont Venus und Jupiter nahezu isoliert sichtbar wurden, sich dem Horizont zuneigten und in meinem Rücken der Wintersternenhimmel empor gen Zenit stieg.

Ein heißer Zitronentee hat für das rund einstündige Durchhaltevermögen gesorgt, die nautische Dämmerung zentral abgedeckt und einen netten Kontrast zur Februarkälte geboten.

Der Gebirgszug im Bild, das Wiehengebirge, aus heimatlicher und zugleich schönster Perspektive, während das Torfmoor die Zivilisation schluckt und damit für einen sinngebenden Moment sorgt. So auch die Wahrnehmung vor Ort.

Ein Sternfreund hat mich der Venus in diesem Frühjahr (mit heutigem Beginn) besondere Aufmerksamkeit schenken lassen. Hat er doch dazu aufgerufen, der Venus in den kommenden Monaten besondere Aufmerksamkeit zu schenken und sich einmal mehr auf die Momente, anstatt auf Zahlen und Technik zu besinnen. Damit hat er auch einen Keil in das Werk meiner inneren Uhr gerammt – danke dafür.

1. März 2023: Venus und Jupiter in enger Konjunktion

01.03.2023, 18:59 MEZ

Wenn Venus und Jupiter eng beieinander stehend auf einer Waldlichtung in der Dämmerung sichtbar werden, sollte das die Grundlage für einen magischen Moment bieten, so das Gedankenspiel.

Am 01.03.2023 war es soweit, die größtmögliche scheinbare Annäherung beider Himmelskörper (Venus und Jupiter) stand bevor, der Arbeitstag zuvor bestand aus unzähligen großen Aufgaben, entsprechend wurde ein Kontrastprogramm für die Abendstunden geschnürt: Wanderausstattung, Feldstecher, Abendessen – mit der untergehenden Sonne ging es in den Wald, auf eine – einen Tag zuvor – ausgemachte Lichtung.

Mit Blick auf den Wurzelbrink (318m über NN., Wiehengebirge), wurde die einsetzende Dämmerung beobachtet. Im WNW wurde derweil ein eng begrenztes Abendrot sichtbar, welches sich an wenigen (mittel-)hohen Wolken bildete, die aus Nordosten in das Landesinnere zogen.

01.03.2023, 19:26 MEZ – Ein Beobachter-Stimmungsbild

Kurz darauf (18:03 MEZ, Sonnenstand bei -0,07°) erblickte ich das erste Mal die Konjunktion der beiden Planeten, deren Verlauf und Sichtbarkeit ich in der folgenden Stunde immer mal wieder genau, mit und ohne Instrument, verfolgte.

Um kurz vor 19 Uhr (MEZ), während der einsetzenden nautischen Dämmerung, wirkte die Konjunktion bereits sehr auffällig, auch dank der isolierten Perspektive auf den Himmel über dem Wiehen.

Zum Einsetzen der Astronomischen Dämmerung entschloss ich mich dann noch zu einem Erinnerungsmotiv, kein Selbstportrait im engeren Sinne, viel mehr zu einem Beobachter-Stimmungsbild:

Am nächsten Tag musste ich feststellen, wie viele Zufallsbeobachter diese Konjunktion von Venus und Jupiter beobachtet hatten. Selbst auf der Arbeit wurde von einer “UFO-Sichtung” gesprochen, welche ich wiederum in ein erklärliches Licht rücken konnte. Das scheint der Zeitgeist mitzubringen… ;-)

23. März 2023: Konjunktion mit der Mondsichel

24.03.2023, 19:14 MEZ – Ein erster Blick auf Mondsichel und Venus

Wer die Venus im Frühjahr diesen Jahres verfolgt, kommt gewiss nicht an den Konjunktionen mit der Mondsichel vorbei.

Seit Donnerstagabend (23.03.2023) gesellt sie sich erneut in nächste Nähe zur Venus und sorgt für bedächtige Momente. Wie so oft gilt, desto weniger Sichel, desto schöner – vor allem im Frühjahr, wenn sich das aschgraue Sekundärlicht von unserem Erdtrabanten abhebt und Schauerzellen die Atmosphäre durchpusten – um genau zu sein so, wie es gestern Abend der Fall war.

24.03.2023, 19:49 MEZ – Mondsichel mit Sekundärlicht + Venus

Meine kleine Abendbeobachtung begann auf der Nordseite des Wiehengebirges (Standort: bei Lübbecke), um so auch für ein eventuell abklingendes Polarlicht-Ereignis gewappnet gewesen zu sein. Kurz nach meiner Ankunft verzogen sich die Wolken und gaben den Blick auf die hochstehende Konjunktion (27° Höhe am Westhorizont) von Venus und Mondsichel frei.

Die Konjunktion entwickelte sich während dessen, bedingt durch den sinkenden Sonnenstand, zu einer auffälligen Erscheinung am Abendhimmel. Die sich dem Ende zuneigende nautische Dämmerung sorgte zudem für einen sphärischen Farbverlauf, in dessen tiefblauem Bereich die Konjunktion strahlte und das Sekundärlicht mittilerweile deutlich sichtbar wurde.

2.April 2023: Venusgürtel und Venus-Experimente (Szintillation)

Derzeit verbringe ich ein paar Tage nördlich von Ringkøbing und durfte somit die ersten Apriltage unter Hochdruck und Eindruck von dem, was der Himmel so zeigt, genießen. Auch jetzt gerade zeigt sich zumindest schon mal wieder ein 22°-Ring am Vollmond. Im Rückblick auf das, was war, lag es auf der Hand, am Abend des 02.04.2023 eine weitere Venus-Expedition zu starten.

Startpunkt war eine hohe Düne am Græm strand, von welcher aus bei völlig isolierter Horizontsicht der Sonnenuntergang und gegenüberliegend der emporsteigende Venusgürtel (Gegendämmerungsbogen) beobachtet werden konnte:

02.04.2023, 20:22 MESZ – Gegendämmerungsbogen (auch „Venusgürtel“) mit aufgehendem Mond

Die poetische Bezeichnung hat mich dabei einmal mehr an den derzeitigen Abendstern erinnert, auf dessen Zeitpunkt der Erscheinung wohl die Namensgebung für das Phänomen auf der gegenüberliegenden Seite des Dämmerungsbogen beruht.

02.04.2023, 21:43 MESZ – Aufgehender (abnehmender) Mond in dieser Nacht

In der klaren Luft waren die besonderen Rottöne, rund um den sich dunkel abzeichnenden Erdschatten, sehr schön zu erkennen, während der sich allmählich durchsetzende Mondschein erahnen ließ, welcher Himmelskörper der derzeit -4 mag hellen Venus wohl früher oder später die Show stehlen dürfte.

Mit der einsetzenden Nautischen Dämmerung leuchtete die Venus dann auf gewohnte Art und Weise am Westhorizont, im oberen Teil des Dämmerungsbogen, der unter Eindruck der Wetterlage aus glühendem Orange und leuchtendem Himmelsblau bestand.

Ein wunderschönes Farbenspiel, noch ganz ohne Silberschleier:

02.04.2023, 21:00 MESZ – Venus im abendlichen Dämmerungsbogen

Der Mond leuchtete derweil in die Dünenlandschaft und auf den angrenzenden Kiefernwald. Wenig später ging es heimwärts.

Die sich dem Horizont zuneigende Venus brachte mich derweil auf eine weitere Idee: Das Abbilden der Szintillation am Glanz des Planeten.

02.04.2023, 21:53 MESZ – Szintillation am Stern „Sirius“

21:53 MESZ: Was bei Sirius schon recht gut funktionierte (Höhe von ca. 11° in SW, bei einer scheinbaren Helligkeit von -1,5 mag), schien an der deutlich helleren Venus (Höhe von ca. 15° in W, bei einer scheinbaren Helligkeit von -4,0 mag) erwartungsgemäß (noch?) undenkbar.

An der Venus war keine Luftunruhe auszumachen, auch nicht am Maksutov-Teleskop mit einer Brennweite von 1250mm.

Erst bei einer verbleibenden Resthöhe von etwa 3° (23:33 MESZ), konnte ich dem Schein der Venus „ein wenig Farbe“ entlocken, so dass ich im mittlerweile warmen und rötlichen Licht des untergehenden Planeten ein paar Grünanteile (an den Rändern des Lichtbündels) nachweisen konnte.

02.04.2023, 23:33 MESZ – Grüner Rand an der Venus

Ein im Forum des Arbeitskreis Meteore e.V. anwesender Experte kommentierte das Ergebnis meines Experiments wie folgt:

„Letztlich zeigt das Foto eigentlich geringere Effekte in der Helligkeit und eher keinen Farbwechsel der Venus, sondern vielmehr ihren ausgebreiteten grünen Rand, also das atmosphärische Spektrum.“

Auch wenn Sirius dagegen ein wahres Feuerwerk dargestellt hat (in nahezu allen Farben des sichtbaren Spektrums geleuchtet hat), war es spannend, die Venus auch einmal aus irdisch-atmosphärischer Perspektive zu beobachten und im experimentellen Umgang mit ihr neue Erkenntnisse zu gewinnen. 🙂

Dennoch möchte ich an dieser Stelle noch eine Frage klären:

Warum funkeln die Sterne, aber die Planeten nicht?

Obwohl das Licht der Planeten ebenfalls durch die Lufthülle hindurchgeht, gibt es einen signifikanten Unterschied zur Venus und anderen Planeten, die im Laufe der Nacht am Sternenhimmel sichtbar sind. In diesem Fall erreicht uns nicht bloß ein einzelner Lichtstrahl, sondern vielmehr ein ganzes Lichtbündel.

Im Normalfall ist die Brechung des Lichts in der Lufthülle unserer Erde nicht stark genug, um die Lichtstrahlen der Planeten von ihrem Kurs abzulenken. Das Lichtbündel eines Planeten durchquert daher im Wesentlichen die Atmosphäre, gelegentlich kann es am Rand ein wenig verschwimmen – und genau das konnte ich mit meiner Beobachtung an der untergehenden Venus (bei einer Resthöhe von ca. 3°) beobachten.

12. Mai 2023: Der Abendstern als Begleiter im Frühsommer

12.05.2023, 22:40 MESZ: Venus und Mars im Sternbild Zwillinge, zu meinen Füßen illuminierter Seerauch

Venus und Mars in den Zwillingen, eine aufsteigende frühsommerliche Milchstraße, eine recht wolkenfreie und mondlose Nacht – insgesamt waren es endlich mal wieder spannendere Aussichten, mit denen im Hinterkopf ich in die erste Nachthälfte des vergangenen Freitags gestartet bin.

Technisch war viel geplant und im Gepäck, vor allem auch, was das aufsteigende galaktische Zentrum angeht. Aufgrund der frühen Erkenntnis vor Ort – eine beachtlich eingetrübte Horizontsicht und resultierende starke Lichtverschmutzung – blieb es dann jedoch bei viel Schauen und Wirkenlassen, im Laufe der folgenden Stunden. Für die Feuerkugel rund um 23:17 MESZ habe ich leider in die völlig falsche Richtung geschaut.

So hat es mich schlussendlich wieder tiefer in die Natur gezogen, an den Rand eines großen Naturschutzgebiets bei Warmsen, Niedersachsen. Begrüßt wurde ich von unzähligen Mücken, warmer Luft im nächtlichen Wald und einem kleinen Fuchs am Wegesrand. Mir war klar, dass die zurückliegenden zwei Wochen, das Ergrünen der Natur und der zurückliegende “zweitägige Regen”, das Erlebnis vor Ort prägen würden.

12.05.2023, 22:48 MESZ: Die aufsteigende Sommermilchstraße als visuell deutlich sichtbares Band

Die gefluteten Freiflächen im Moor waren überzogen von feinen Schwaden aus Seerauch und die Vegetation deutlich dichter als noch vor zwei Jahren zum gleichen Zeitpunkt – dieses Frühjahr bietet reichlich Energie.

Eine kleine Aussicht auf das, was da kommt und in meinem Kalender steht:

• Konstellation Venus + Mondsichel + Mars (22.05.-25.05.2023)

• Konstellation Venus + Mondsichel + Mars zu Mittsommer, recht nah beieinander (21.06.-22.06.2023)

Und damit sind wir fast im Juli, dem Zeitpunkt, an dem sich die Venus in 2023 als Abendstern verabschieden wird.

22. Juni 2023: Eine letzte gezielte Beobachtung vor Sichtbarkeitsende

22.06.2023, 22:06 MESZ

Venus mit Mondsichel und Mars, im dichter werdenden Zirrus: Mal wieder ein tolles Himmelsbild, in leider weniger stimmungsvoller Szenerie. Als Vordergrund musste die wilde Vegetation eines Feldwegs herhalten, um die Beleuchtung einer angrenzenden Straße zu verdecken.

Nachbetrachtung: Hierbei handelte es sich schließlich um meine letzte bewusste Beobachtung des Abendsterns im ersten Halbjahr 2023.

Die Venus: Verabschiedung als Abendstern im Juli 2023 und Rückkehr als Morgenstern

06.09.2023, 04:54 MESZ: „Rückkehr“ der Venus als Morgenstern

Mit Beginn des Monats Juli wurde die Venus als Abendstern immer unauffälliger. Bedingt dadurch, dass die Venus aus irdischer Perspektive nun immer weiter gen Sonne wanderte (Stichwort: Untere Konjunktion), endete die (Abend-)Sichtbarkeit der Venus Mitte/Ende Juli gänzlich. Dieser Zustand hielt einige Wochen an.

Im Artikel zum im September 2023 erschienenen Kometen C/2023 P1 (Nishimura) gab es schließlich das für mich erste Wiedersehen der Venus, mit ihrem Aufgang als „goldener“ Morgenstern: Komet C/2023 P1 (Nishimura) – Kometenschau mit Spätsommer